Landratswahl: Thomas Petry tritt an


Aus dem Zweikampf wird ein Dreikampf: Der 45-jährige Idar-Obersteiner geht für Bündnis 90/Die Grünen ins Rennen

Einen Termin für die Landratswahl gibt es noch nicht; den legt der Kreistag in seiner heutigen Sitzung in der Idar-Obersteiner Göttenbach-Aula fest. Seit Freitagabend bekannt ist aber, dass es neben Amtsinhaber Axel Redmer (SPD) und Dr. Matthias Schneider (CDU) einen dritten Kandidaten geben wird. Und das kommt dann doch - für viele - recht überraschend.

KREIS BIRKENFELD. Thomas Petry tritt als Kandidat für Bündnis 90/Die Grünen zur Landratswahl an. Der 45-jährige Architekt wurde am Freitagabend im Rahmen einer Mitgliederversammlung im Tiefensteiner Hotel Handelshof nominiert. Überschaubar war der Kreis jener, die Interesse daran hatten zu hören, warum sich der Idar-Obersteiner der Wahl stellen möchte. Lange habe er überlegt, ob eine Kandidatur Sinn macht: "Letztlich denke ich, dass es die Grünen im Kreis bekannter macht, der Wahlkampf so interessanter wird und die Wahlbeteiligung höher ausfallen kann."

Konzepte und Inhalte für eine grüne Kreispolitik seien vorhanden - nun könne man stärker als bisher Flagge zeigen. Mit der traditionsreichen LUB verstehe man sich bekanntlich gut, sei inhaltlich in vielen Themen sehr nahe - und so hofft Petry (...ohne es deutlich zu sagen), dass die LUB-Wähler ihm bei der Landratswahl ihre Stimme geben werden. Wie eine Kandidatur als krasser Außenseiter funktionieren kann, erläuterte Andreas Hartenfels seinen grünen Kollegen: Im Kreis Kusel trat der Dorfmoderator 2009 zur Landratswahl an - und erreichte sensationelle 40 Prozent: "Eine solche Kandidatur ist eine Chance, für grüne Themen auf die Straße zu gehen, neue Mitglieder und Sympathisanten zu finden."

Petry - seit 2004 Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, mehr als 25 Jahre Helfer im THW und Mitglied in verschiedenen Idar-Obersteiner Vereinen - erläuterte engagiert seine Ansätze: Dem bisherigen Kreis-Motto "Alles im grünen Bereich" sollten nun endlich auch Inhalte folgen. Bisher habe sich diesbezüglich so gut wie nichts getan: "Und dies, obwohl wir einen Hochschulstandort mit Schwerpunkt Umwelt direkt im Kreisgebiet beherbergen. Dessen Kernkompetenzen müssen schleunigst viel stärker in die Kreisentwicklung gelenkt werden, um den in den Ranking-Listen hinterherhinkenden Kreis Birkenfeld wieder kräftig nach vorne zu bringen."

Die bisherige Verkehrspolitik habe weitestgehend für ein schnelles Durch- und Weiterkommen gesorgt: "Aber der heimischen Bevölkerung hat es trotzdem kaum oder letztlich gar keine sinnvollen Arbeitsplätze gebracht. Ökonomisch und ökologisch müssen wir die ansässige Wirtschaft auf Nachhaltigkeit ausrichten statt auf Militär, Luftfracht." Konversionsprojekte und die dazugehörigen Flächen dürften künftig nur kreisweit und darüber hinaus betrachtet werden, da die Entwicklung einzelner kleiner Teile, siehe Gewerbepark Nahetal, im Ergebnis an den gesteckten Zielen vorbeientwickelt worden sei.

Thomas Petry, Vater zweier Söhne im Alter von 15 und 17 Jahren, ergänzt: "Wir brauchen einen Energie-Landkreis statt nur einer kleinen Energiestadt im Westrich." Radwegenetze sowie Wanderwege sollten auch dem Individualverkehr dienen - und nicht nur auf die zu erwartenden Touristen ausgerichtet werden: "Die Kreisbewohner müssen als Erste den Nutzen verspüren. Damit wird sichergestellt, dass die durchzuführenden Projekte auch die so wichtige Unterstützung der Einwohner erhalten. Die Menschen müssen auf das Geschaffene stolz sein und als befürwortende Multiplikatoren dienen. Das ist die beste Werbung!" Petry hält es für sinnvoll, eine Zukunftswerkstatt für den Kreis Birkenfeld einzurichten. Er werde sicher nicht im bisherigen "Schwarz-Rot-Schema" denken - und denken müssen, sondern könne mit den Menschen einen ergebnisoffenen Dialog führen.    (vm)

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